Moderne Mobilität Marburg-Biedenkopf

Die derzeitige Verkehrs-, Wirtschafts-, Bau-, Regional- und Stadtent-wicklungspolitik läuft auf allen politischen Ebenen in die verkehrte Richtung. Stillschweigend wird vorausgesetzt: Je mehr Mobilität – in Form von fließendem Autoverkehr – desto mehr wirtschaftlicher Erfolg, desto mehr Lebensqualität und desto mehr Wohlergehen für die Bürger/innen. Die Lebenswirklichkeit widerlegt diese Annahme eindeutig.

Um diese Entwicklung im Landkreis zu stoppen, brachte die Fraktion nachstehenden Antrag im Kreistag ein.

Antrag der Fraktion DIE LINKE. zur Sitzung des Kreistages am 14. Februar 2020

Alternative Konzepte für moderne Mobilität im
Landkreis Marburg-Biedenkopf

Beschluss:

1. Der Kreisausschuss wird beauftragt, alle Projekte und Initiativen zur Reaktivierung von stillgelegten Bahnstrecken sachlich, fachlich und materiell zu unterstützen.

2. Der Kreisausschuss wird gebeten bei der Neuausrichtung der Wirtschaftsförderung zukünftig stärker Initiativen, Vereine und Verbände zu fördern, die an Mobilitätskonzepten und Alternativen zum Individualverkehr arbeiten (z.B. VCD Regio Tram Marburg/Pro Bahn/lokale Agendagruppen)

Begründung:

Seit mehreren Jahren ist von genervten Autofahrern zu hören, die fast jeden Morgen während der Fahrt zur Arbeit regelrecht im Stau stecken. Deshalb lassen mittlerweile viele Nutzer des motorisierten Individual-Verkehrs das Auto stehen und steigen auf die Bahn um.

Schon aus Gründen des Klima- und Umweltschutzes ist der Wechsel auf die Schiene jetzt dringend angesagt. Dazu passt, dass die Bahn ihr Netz ausbauen will um die Zahl der Fahrgäste bis 2030 zu verdoppeln. Neue Schienen zu verlegen ist aufwendig und teuer. Warum also nicht bereits vorhandene, stillgelegte Strecken wieder befahren?

Offensichtlich ist die Ertüchtigung der Schiene mit einiger Verspätung auch bei den politisch Verantwortlichen des Verkehrsministeriums so weit gereift, sodass mit dem Bündnis für moderne Mobilität der Verkehrsminister Andreas Scheuer den Verkehrsraum in den Städten komplett umkrempeln will. Alleine dafür hat der Verkehrsminister 900 Millionen Euro zusätzlich zur Verfügung. Und deshalb lautet sein Appell: Lasst Euch was einfallen! „Mein größtes Problem ist der Mittelabfluss. Es gab Zeiten, da mussten wir zu allen Maßnahmen „no“ sagen. Jetzt können wir sagen: Greift ab, lasst Euch was einfallen, das ist auch der Hintergrund dieses Bündnisses. Also: Keine langen Planfeststellungsverfahren, sondern: Themen – niederschwellig – Ausschreibung – machen!“

Zusätzlich fließen derzeit mehr als 50 Milliarden Euro aus dem Bundeshaushalt in die Modernisierung des Bahnverkehrs. Insgesamt will die Bahn 170 Milliarden Euro bis 2030 investieren. Selbst die Verkehrsministerkonferenz fordert, dass wieder Nachtzüge mit Schlaf- und Liegewagen fahren sollen.

Die Region Mittelhessen hatte leider schon frühzeitig eine starke Ausdünnung im schienengebundenen Personenverkehr erfahren, indem ein großer Teil der Nebenstrecken vor mehr als 30 Jahren stillgelegt und inzwischen teilweise zurückgebaut wurde. Vor diesem Hintergrund kann das noch vorhandene und befahrbare Gleis, welches von Kirchhain, Amöneburg, Schweinsberg, Nieder-Ofleiden nach Ober-Ofleiden führt und die frühere Strecke (zurückgebaut) der alten Ohmtalbahn nach Homberg (Ohm) und von dort weiter nach Burg-/Nieder-Gemünden, geradezu als Glücksfall be- zeichnet werden.

Aus den oben erwähnten Gründen sollte unser Landkreis die Herausforderung annehmen und sich an die Spitze stellen, um alternative Konzepte für eine moderne Mobilität zügig durchzuführen.

Ein sichtbares Signal wäre beispielsweise die Unterstützung bzw. Durchführung einer Dampflok- fahrt, auf der Trasse der Ohmtalbahn, um anhand dieser Aktion die Reaktivierung der Ohmtalbahn gezielt in die Öffentlichkeit zu bringen.

gez.:
Anna Hofmann (Fraktionsvorsitzende)
Bernd Hannemann (Kreistagsabgeordneter)