Moritzburger Erklärung umsetzen

Heute, wo der Wald als Klimaschützer dringend gebraucht wird, ist der Klimawandel mit voller Wucht in unseren Wäldern angekommen und setzt ihnen schwer zu. Stürme, extreme Dürre, Hitzewellen und massenhafte Vermehrungen von Borkenkäfern haben seit 2018 nationale Schäden mit katastrophalem und unübersehbarem Ausmaß angerichtet.Auch der Landkreis Marburg-Biedenkopf ist davon betroffen.

Die für Forst zuständigen Landesminister aus Baden-Württemberg, Bayern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen forderten den Bund auf, in den nächsten vier Jahren den Ländern 800 Mio. Euro als Finanzhilfen zur Verfügung zu stellen. Gleichzeitig einigten sich die Minister auf einen Masterplan für Deutschlands Wälder, die „Moritzburger Erklärung“.

Damit die sinnvollen Maßnahmen der “Moritzburger Erklärung” – es gibt auch Kritikwürdiges in der Erklärung – im Landkreis Marburg-Biedenkopf umgesetzt werden, brachte DIE LINKE im Kreistag nachstehenden Antrag ein.

Antrag der Fraktion DIE LINKE Kreistagssitzung 14.02.2020

„Konsequenzen aus der Moritzburger Erklärung ziehen:
Sachstandsbericht, Schadenskataster und Wiederaufforstung des Waldbestands im Landkreis Marburg-Biedenkopf“

Beschluss:
Der Kreisausschuss wird aufgefordert,

Einen Sachstandsbericht und ein Schadenskataster über den gesamten Waldbestand im Landkreis Marburg-Biedenkopf zu erstellen und einen Masterplan zur nachhaltigen Wiederaufforstung entwickeln:

Dieser sollte folgende Punkte beinhalten:

1. in welchem Eigentumsbestand die Wälder im Landkreis sich befinden und welche Maßnahmen ergriffen werden müssen, um eine strukturelle Wiederaufforstung zu gewährleisten

2. eine kleinräumige Analyse des Waldbestandes und der derzeitigen Schäden zu erstellen, die auch eine Risikobewertung aus steigenden und anhaltenden heißen Temperaturen beinhaltet.

3. welche Strukturfonds und Programme zum Erhalt einer nachhaltigen und multifunktionalen Waldbewirtschaftung bereits vorhanden sind und welche Initiativen noch gebraucht werden, um eine „dem Klimawandel angepasste Bewirtschaftung“ des Waldes zu gewährleisten. Das umfasst auch Initiativen, Waldbestände aus der Nutzung zu nehmen, z.B. zur Förderung der Biodiversität (Kernflächen/Großschutzgebiete.)

4. Wie der Landkreis private Waldbesitzer, Städte und Gemeinden bei der Wiederaufforstung und Erprobung klimafreundlicher Bewirtschaftungsmodelle sachlich und fachlich unterstützen kann.

5. Welche Maßnahmen der Landkreis zur Schadensbeseitigung, einschließlich der Wiederherstellung der Waldwege und die Wiederaufforstung der Kalamitätsflächen ergreift.

6. einen Waldbrandbekämpfungsplan zu erstellen und zu eruieren welche Möglichkeiten im Katastrophenfall bestehen Hubschrauber mit großen Außenlastbehälter für Löschwasser einzusetzen. Ebenso den Einsatz von Schwerlastdrohnen zur Waldbrandbekämpfung zu prüfen und evtl. im Landkreis zu erproben.

Begründung:

Die langanhaltende Dürre des Sommers 2018 und das fortdauernd sehr warme und trockene Wetter in 2019 hat zu einer katastrophale Situation nationalen Ausmaßes in den Wäldern Deutschlands geführt. Auch der Landkreis Marburg-Biedenkopf ist als großer Flächenlandkreis stark betroffen. Besonders überraschend war z.B. das Umstürzen zahlreicher Eichen und anderer Bäume, die auf flachen Untergrund auf dem Dammelsberg in Marburg standen.

In jüngster Zeit ist es dort zu zahlreichen nicht vorhersehbaren Baumbrüchen gekommen. Daher hat die Stadt Marburg beschlossen, die Wege in dem Bereich, in dem ein erhöhtes Risiko besteht, einzuzäunen und das Betreten ist nur „auf eigene Gefahr“ möglich. Umgekippte Bäume werden lediglich von den Hauptwanderwegen weggeräumt. Es besteht akute Lebensgefahr, wenn man quer durch den Wald läuft.

Daneben erleben wir den flächenhaften Verlust von Wäldern, besonders von Fichtenbeständen im Landkreis, die unter der verheerendsten Borkenkäferkalamität der letzten Jahrzehnte leiden. Hinzu kommen aber auch weitere Schäden an Kiefern-, Birken-, Buchen- und Eichenwäldern, vereinzelt auch mit großflächigen Abgängen. Durch die anhaltend hohen Temperaturen und geringen Niederschläge und zwei Jahre Rekorddürre und Hitze besteht auch für Deutschland eine bisher kaum gekannte Waldbrandgefahr. Zudem stellen trockene, absterbende oder umgekippte Bäume ein massives Verkehrssicherungsproblem entlang von Ortschaften, Vorstädten sowie an den Straßen-, Wander-, Rad- und Schienenwegen dar.

Aufgrund dieser katastrophalen Situation haben am 1. August 2019 die unionsgeführten Agrarressorts der Länder eine Moritzburger Erklärung zur Klimakrise verabschiedet und einen „Master-plan für Deutschlands Wälder: Ausgehend von den Sturm- und Schneebruchschäden im Winter 2017/2018“ gefordert.

Darin heißt es unter anderem „In vielen betroffenen Regionen gelingt es bisher nicht, die Borkenkäferkalamität entscheidend zu stoppen. Wichtige Waldfunktionen, wie die Erhaltung der Biodiversität, die Wasser filternde Wirkung intakter Wälder sowie der Hochwasserschutz sind gefährdet. Auch die Attraktivität von touristischen Gebieten für die Erholung ist eingeschränkt. Nicht zuletzt sind die Klimaschutzwirkung und die Kohlenstoff-Speicherung des Waldes bedroht.

Die vorhandenen personellen, logistischen und finanziellen Mittel reichen gegenwärtig nicht aus, um frisch befallene Bäume zeitnah einzuschlagen und für einen Abtransport des Holzes zu sorgen. Insbesondere private, aber auch öffentliche Waldbesitzer sind vielfach mit den notwendigen Arbeiten bei der Schadenssanierung und der Bekämpfung der Schadinsekten überfordert. Forstliche Dienstleister sind mit Aufträgen überlastet. Der Rundholzmarkt kann die enormen Schadholzmengen nicht vollständig aufnehmen. Durch das Überangebot an Käferholz sind die Preise massiv eingebrochen. Die Holzerlöse reichen den Waldbesitzern nicht mehr aus, um damit die Wiederaufforstung und den Waldumbau zu klimatoleranten Wäldern zu finanzieren.“

gez.
Anna Hofmann